Tapeten

Danke, Janosch. Für die Geschichten, die bleiben.

Janosch-Tapete von marburg: Tiger und Bär reichen sich zwischen Pflanzen die Hände, links oben ist die Tigerente zu sehen.

Manchmal genügt eine kleine gelb-schwarz gestreifte Ente auf Rädern, und plötzlich ist ein ganzes Stück Kindheit wieder da. Man denkt an vorgelesene Geschichten, an Tiger und Bär, an Panama. Und an das gute Gefühl, dass mit einem Freund an der Seite selbst die große, unbekannte Welt ein bisschen weniger beängstigend ist.

Am 3. November 2026 ist Horst Eckert, den die Welt als Janosch kannte, im Alter von 95 Jahren gestorben. Seine Geschichten und Zeichnungen haben Generationen begleitet. Auch wir bei der Marburger Tapetenfabrik nehmen Abschied – und erinnern uns an einen Menschen, mit dem unser Unternehmen und die Familie Eitel eine besondere Geschichte verbindet.

Ein Rat, der Geschichte(n) geschrieben hat

Unsere Verbindung zu Janosch reicht bis in die späten 1950er-Jahre zurück. Damals hat er als Musterzeichner für unser Unternehmen gearbeitet. Aus dieser Zeit erzählt unser Seniorchef Ullrich Eitel eine Erinnerung, die heute besonders berührt: Seine Mutter Hilde Eitel sei es gewesen, die Janoschs Talent erkannte und ihm den Rat gab, Kinderbücher zu schreiben. Was sie in seinen Zeichnungen und seiner Fantasie sah, sollten später Millionen Kinder und Erwachsene kennenlernen: die Fähigkeit, mit Bildern und Worten eine Welt zu erschaffen, in der man sich zu Hause fühlt. Eine Welt voller Freundschaft, voller Eigensinn und mit einem Humor, der oft noch einen zweiten Gedanken bereithält.

Begegnungen, die in Erinnerung bleiben

Auch über die Arbeit hinaus gab es eine persönliche Verbindung. Ullrich Eitel besuchte Janosch mehrfach auf Teneriffa. Wenn er heute von ihm erzählt, erinnert er sich besonders an die Gespräche und an dessen klaren Blick auf das Leben. „Er war ein äußerst sympathischer und intelligenter Mann, der vom Leben eine sehr klare Vorstellung hatte und Dinge perfekt auf den Punkt gebracht hat. Man konnte sich sehr gut mit ihm unterhalten. Er wusste, worauf es im Leben ankommt“, sagt Ullrich Eitel.

Die Tigerente zog überall mit ein

Die Verbindung von marburg zu Janosch überdauerte die Jahre. Insgesamt entstanden drei Kinderzimmerkollektionen gemeinsam mit ihm, die letzte Anfang der 2000er-Jahre. Wer heute durch die alten Musterbücher blättert, muss unwillkürlich lächeln. Da stehen Tiger und Bär zwischen hohen Gräsern und reichen einander die Hände. Darüber leuchten Mond und Sterne. Kleine Häuser, Vögel, Blumen und hingetupfte Farbflecken verteilen sich über helle Flächen. Und immer wieder taucht sie auf: die Tigerente, an ihrer Schnur unterwegs durch Janoschs Welt. So wurden Kinderzimmerwände zu Bilderbüchern. Zu einem Ort für eigene Geschichten und kleine Tagträume. Und vielleicht gehörte für manches Kind der letzte Blick vor dem Einschlafen einer kleinen Tigerente auf der Tapete.

Was bleibt

Janoschs Figuren sind für viele Menschen vertraute Begleiter geworden. Man begegnet ihnen nach Jahren wieder und spürt sofort die Zuneigung von damals. Darin liegt etwas Wunderbares: wie viel Nähe ein paar gezeichnete Linien schaffen können. Wir sind dankbar für die gemeinsame Arbeit, für die persönlichen Begegnungen und dafür, dass wir ein Stück seiner Fantasie in Kinderzimmer bringen durften. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden.

Danke, Janosch. Für die Geschichten, für das Lächeln und für die kleine Tigerente, die uns weiter begleiten wird.